Tritt ein! Die Kirche ist offen.
(c) JPEin echtes Schmuckstück - mitten in den Weiten Mecklenburgs, am Ende einer Allee mit Kopfsteinpflaster mitten in Europa - die Dorfkirche in Laase.
Die kleine Kirche schaut auf eine lange,eine sehr lange Geschichte zurück: Im 13. Jahrhundert kamen Siedler aus Niedersachsen und Westfalen in das heutige Mecklenburg. Sie suchten einen neuen Ort, vertrauten den Versprechungen der Landesherren auf Land und möglicherweise bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Sie brachten ihren Glauben mit. Der brauchte einen Ort. Einen Ort, an dem ihre Religion erlebbar und sichtbar war. Sie bauten eine Kirche – zuerst aus Holz.
Wir haben das seltene Glück, dass mehrere Balken dieser Kirche gefunden und datiert werden konnten. Sie stammen aus der Zeit und 1243 und wurden im Dachstuhl der neuen Kirche ressourcenschonend verbaut. Ein seltener Schatz in Mecklenburg!
Schauen Sie doch mal vorbei und erkunden das kleine Schmuckstück. Die Kirche ist von Mai bis September an den Wochenden geöffnet.
Kirche Laase, Südseite
(c) JPMehr als 150 Jahre nach dem Bau der ersten Kirche entstand eine zweite. Wieder griffen die Menschen vor Ort auf Materialien aus ihrer Umgebung zurück. Diesmal verwendeten sie Feldsteine, die mit dem damals modernen Kunststein – dem Backstein – kombiniert wurden.
Die Laaser Dorfkirche ist also auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Sie ist eine typische mecklenburgische Allerweltskirche: funktional und beständig. Doch ihr Inneres lädt zu einer faszinierenden Zeitreise durch die Jahrhunderte ein.
Seit fast 800 Jahren lächelt eine Mutter Gottes mit Kind die Besucherinnen und Besucher an. Ein zarter, traurig dreinblickender Jesus vor rotem Hintergrund mit goldenen Sternen ist seit 600 Jahren nur gelegentlich für neugierige Augen sichtbar. Und nicht zuletzt birgt ein fast 900 Jahre altes Taufbecken aus Granit geheimnisvolle Geschichten, die voller Spannung sind.
Entdecken Sie die verborgenen Schätze der Laaser Dorfkirche und erleben Sie Geschichte hautnah!
Hier finden Sie eine Erkundung der schönen kleinen Laaser Kirche mit ihrer beeindruckenden Ausstattung zum Download. Die Präsentation ist für die Nutzung auf Ihrem Smartphone und Tablet geeignet. Hier finden Sie eine Präsentation in höherer Auflösung zur Nutzung an einem größeren Bildschirm.
Ein besonderer Genuss: Sie können sich die Präsentation (PDF) auch vorlesen lassen. Prüfen Sie Ihre PDF-App (PC, Smartphone,Tablet) auf eine entsprechende Vorlesefunktion.
Taufstein aus dem 12. Jahrhundert
(c) Jutta PetriÜber die erste Laaser Kirche wissen wir kaum etwas. Doch eines steht fest: Sie diente als Pfarrkirche für die ländliche Bevölkerung und benötigte ein Taufbecken. Die Taufe war unverzichtbar, um die Neugeborenen in die christliche Gemeinschaft aufzunehmen und ihnen einen festen Platz in der kirchlichen Ordnung zu sichern. Dafür brauchte es ein Becken, in das der Säugling dreimal eingetaucht wurde, ganz im Einklang mit dem Ritus.
Der Laaser Taufstein ist uralt – Jahrmillionen alt –, das Taufbecken selbst hingegen rund 800 Jahre. Es mag keine künstlerische Meisterleistung sein, doch es ist ein solides Handwerkstück, das aus einem Findling herausgearbeitet wurde. Absolut funktional, ohne Schnörkel.
Thronende Madonna, um 1270
(c) JPSpot an für eine alte Lady: Die thronende Madonna wurde über Jahrhunderte verehrt, was sie allerdings nicht vor Beschädigungen bewahrte, dazu ist sie einfach zu alt. Ihr Entstehungszeitraum liegt um das Jahr 1270. Möglicherweise gehörte sie zu den ersten Ausstattungsstücken des hölzernen Vorgängerbaus der heutigen Laaser Kirche.
Einst war sie bunt bemalt und vergoldet. Heute ist diese ursprüngliche Bemalung vollständig verloren gegangen: Die Madonna und das Kind wurden gründlich abgewaschen und abgebürstet, sodass keine Farbspuren mehr sichtbar sind. Dafür können wir dem Bildschnitzer sozusagen direkt „über die Schulter schauen“.
Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert
(c) Jutta PetriDie Ausstattung der Kirche zeigt heute noch Stationen ihres Weges durch die Geschichte. Dieses schöne spätmittelalterliche Kruzifix ist eine dieser Stationen. Es hängt fast ein wenig verschämt an der Südwand. Die feinen, jugendlich anmutenden Gesichtszüge des Gekreuzigten sind gegen das einfallende Sonnenlicht nur schwer erkennbar.
In neuerer Zeit wurde der Körper und das Kreuz übermalt mit einer Tünche, die heute schon wieder abblättert. Der mittelalterliche Bildschnitzer hatte es ursprünglich als Lebensbaum, als lignum vitae gestaltet. Sein Kollege, der Maler, hatte das Kreuz sorgfältig und in mehreren Farbschichten grün bemalt. Die vierpassförmigen Enden zeigten sicher die Symbole der vier Evangelisten – den Adler, den Stier, den Menschen und den Löwen. So war es damals üblich.
Detail aus dem ehm. Flügelretabel, Maria und Christus, um 1420
(c) Jutta PetriDiese Holzfiguren und ihr Schrein waren einst für die Ewigkeit geschaffen. Sie boten den Gläubigen einen flüchtigen Blick in das ewige Reich Gottes, immer nur für einen Augenblick, an bestimmten Tagen, doch dafür zuverlässig und wiederkehrend. Goldglänzend, würdevoll, prächtig.
Wahrscheinlich stand dieser Altaraufsatz, ausgestattet mit Heiligenfiguren unter Baldachinen aus feinem, gotischem Maßwerk, vergoldet und farbig bemalt, auf dem Altar der Kirche – eingerahmt vom Sonnenlicht, das durch das Ostfenster strahlte.
Dort stand er bis irgendjemand irgendwann Hand anlegte - ihn ablaugte, übertünchte, vom Altar hob und zerlegte – weil seine Bildsprache nicht mehr passte, weil er kein Ort mehr sein konnte, an dem die Menschen Trost und Erlösung suchten und fanden. Doch er ist noch da! Die Geschichte geht also weiter ...