Jutta Petri

Kirchen sind Orte der Begegnung mit Gott.
Die ist natürlich nicht nur in einer Kirche, einem Kirchengebäude möglich. Sie ist überall möglich wo du bist und nach ihm Ausschau hältst oder dich überraschen lässt. 
Für die Begegnung ist es egal welcher Glaubensrichtung, welcher Konfession du angehörst. Vielleicht bist du auch allein für dich auf der Suche nach Gott. 

Fast alle Kirchengemeinden in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind heute evangelisch-lutherische Kirchengemeinden. Sie gehören zur Evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Die Kirchengemeinden der Nordkirche sind insgesamt 13 Kirchenkreisen zugeordnet. Du siehst: die vielen, vielen alten Kirchengebäude im Norden sind nicht nur beeindruckende historische Bauten mit einer langen Geschichte. Sie sind auch Teil einer Institution: der Evangelischen Kirche.

Jutta Petri

Das war nicht immer so. Alle Kirchen, die vor 1520 erbaut worden sind, waren eigentlich mal katholisch. Also eigentlich irgendwie aber auch nicht ... Diese alten Kirchen wurden gegründet und erbaut als es noch keine Unterscheidung zwischen "evangelisch" und "katholisch" gab. 
Im Mittelalter gab es nur eine Kirche und die war "allumfassend". - Das ist die Übersetzung des altgriechischen Begriffs "katholisch". 
Im 16. Jahrhundert gab dann Martin Luther sozusagen den "Startschuss" zu einer Reform dieser Kirche. Diese Reform führte schließlich zur Herausbildung neuer Glaubensrichtungen, den evangelischen Kirchen. 
Das klingt einfacher als es war. Diese neuen Kirchen entstanden nicht plötzlich, sondern in langen Aushandlungs- und Selbstfindungsprozessen - wie wir es heute nennen würden. Was glauben wir (Inhalte)? Wie glauben wir (Formen)? Und wie organisieren wir uns (Verwaltung, Finanzierung). 

Auch von dieser Geschichte erzählen unsere alten Kirchen. Wir begegnen in ihnen Zeugen der "alten", katholischen Kirche vor allem aber sind sie in ihrer heutigen Innenraumgestaltung und der Ausstattung vom "neuen" Glauben geprägt - vom evangelischen Glauben. 

Radwegekirche, Friedrichshagen

Jutta Petri

Die „Kirche“ ist ein Wort mit zwei Bedeutungen – ein "Teekesselchen". Auf der einen Seite steht sie ganz handfest aus Stein: Ein Gebäude mit Türmen, Glocken und oft beeindruckender Akustik. Hier begegnen sich Menschen zum Gottesdienst, zur Andacht, zum Staunen, zum Konzert.

Auf der anderen Seite ist die Kirche aber weit mehr als Mauern und Dach. Sie ist eine Institution, ein Ort, ein Geflecht aus Traditionen, Regeln, Gemeinschaft und Geschichte. Unsichtbar, aber wirkungsvoll prägt sie Werte, Diskussionen und oft auch den Alltag vieler Menschen – selbst derer, die schon lange keinen Fuß mehr in das Gebäude gesetzt haben. In diese Kirche trittst du durch die Taufe ein oder - wenn du schon einmal Kirchenmitglied warst - durch den Wiedereintritt. 

So kann „Kirche“ zugleich ein Ort sein, den man betreten kann, und eine Idee, die einen begleitet. Oder anders gesagt: Man kann aus der Kirche herausgehen – aber ob die Kirche damit auch aus einem herausgeht, ist eine ganz andere Frage.

Altarkreuz, Dorfkirche Rethwisch

Jutta Petri

Der Altarraum bildet das Herzstück der Kirche. Hier finden die Gottesdienste statt. Geradeaus steht der Altar, schlicht, aber eindrucksvoll, wie ein freundlicher Gastgeber, der alle willkommen heißt.

Darüber erhebt sich das Kreuz, ein stiller Zeuge von Glauben und Hoffnung. Der Altar ist weit mehr als nur ein Tisch. An diesem Ort wird gefeiert, gedacht und gesegnet. Hier werden Brot und Wein ausgeteilt, Symbole für das Leben und die Gemeinschaft, die Jesus seinen Nachfolgern hinterlassen hat.

Und das Kreuz? Es zeigt Christus, den Gekreuzigten, als Zeichen einer Liebe, die bis ans Äußerste reicht. Es erinnert daran, dass Leid, Hoffnung und Vergebung untrennbar zusammengehören. Das Kreuz ist seit Anbeginn Symbol des Christentums. Es ist nicht nur die Erinnerung an eine reale, grausame Hinrichtungsart im Römischen Reich, sondern auch ein Zeichen der Vereinigung von Himmel und Erde und ein Symbol der Versöhnung.

Marienkirche, Rendsburg

Ulrike Taege

Christliche Kirchen sind in der Regel nach Osten ausgerichtet, dort befindet sich der Altar. Diese Ausrichtung folgt einer einfachen, fast poetischen Logik: Die Sonne geht im Osten auf, und ihr Licht symbolisiert in vielen Religionen Hoffnung, Neubeginn und im Christentum die Auferstehung Christi. 
In den oft langgestreckten Gebäuden richten sich die Blicke unweigerlich auf diesen Ort. Es ist, als würde der Raum selbst sagen: „Hier beginnt das Gute.“

Momente der Freude

Jutta Petri

Das Abendmahl ist ein besonderer Augenblick, in dem Gemeinschaft ganz konkret spürbar wird. Mit einem kleinen Stück Brot und einem Schluck Wein oder Saft wird an das letzte Mahl Jesu mit seinen Begleitern, den Jüngern, erinnert – und gleichzeitig gefeiert, dass niemand allein ist.

Das Abendmahl ist eines der beiden Sakramente in der evangelischen Kirche. Ein Sakrament ist ein sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes. Du bist eingeladen, beim Abendmahl einfach da zu sein, zur Ruhe zu kommen und dich beschenken zu lassen – mit Vergebung, Hoffnung und einem Gefühl von Zusammenhalt.
 

Abendmahlsszene, Johanneskirche, Wusterhusen

Jutta Petri

Bereits im frühen Christentum war das Abendmahl ein Zeichen des Zusammenhalts der Gemeinschaft. Es wurde zunächst oft im Geheimen in den privaten Häusern der Gemeindemitglieder gefeiert. Erst als das Christentum im Römischen Reich eine anerkannte Religion wurde und die Gläubigen keine Angst mehr vor Verfolgung haben mussten, begann der Bau von Kirchen.

Egal, woher du kommst oder was dich gerade beschäftigt – beim Abendmahl ist Platz für dich. Ein kleiner Moment, der lange nachklingt.

Jutta Petri

Die Taufe ist so etwas wie der offizielle Start in die christliche Gemeinschaft – aber ohne Druck, dafür mit viel Bedeutung. Mit ein paar Tropfen Wasser wird ein Zeichen gesetzt: Du gehörst dazu. Ganz egal, wie perfekt oder unperfekt dein Leben ist.

Dabei geht es nicht nur um ein schönes Ritual. Sie ist das zweite Sakrament in der evangelischen Kirche und damit ein sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes. Außerdem ist sie eine Einladung: zur Gemeinschaft, zum Glauben und zu einem Weg, den du nicht allein gehen musst. Die Taufe legt sozusagen den Grundstein für die Mitgliedschaft in der Kirche – wie ein freundliches „Willkommen, schön, dass du da bist!“. 

Und das Beste daran? Du musst kein Experte im Glauben sein. Die Taufe ist eher ein Anfang als ein Abschluss. Für viele ist sie ein besonderer Moment voller Hoffnung, Neugier und vielleicht auch ein kleines bisschen Gänsehaut.

Jesus Christus selbst ist getauft worden. Mitten im Fluss Jordan, von Johannes dem Täufer (!). Dieses Ereignis ist in der Bibel beschrieben. Hier kannst du die ganze Geschichte nachlesen: https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.3

Jutta Petri

Wer eine gotische Kirche betritt, merkt sofort: Hier wurde in Richtung Himmel gedacht. Die Mauern strecken sich ehrgeizig nach oben, als wollten sie mit den Wolken ins Gespräch kommen. Irgendwo weit über den Köpfen wölbt sich die Decke im Licht. Die Gotik flüstert (oder ruft): "Schau nach oben – da geht noch mehr".

Das eigentliche Wunder der Gotik aber sind die Fenster. Groß, manchmal farbenprächtig, fast schon übermütig lassen sie das Sonnenlicht hereinströmen, als hätte jemand beschlossen, dass ein Gotteshaus nicht nur ehrfürchtig, sondern auch strahlend sein sollte. Das Licht fällt durch das halbtransparente Glas. Es legt sich sanft auf dich – ein bisschen wie ein stiller Segen von oben.

Für Gläubige ist das mehr als nur schöne Architektur. Die Höhe zieht den Blick und die Gedanken nach oben, weg vom Alltag, hin zu etwas Größerem. Das Licht wirkt wie ein Versprechen: Hier ist Raum für Hoffnung, für Andacht, für ein leises Gespräch mit Gott.

JP

Die Andacht ist ein wenig wie ein stiller Rückzugsort mitten im lauten Alltag. Während draußen Termine, Nachrichten und To-do-Listen durcheinanderreden, wird es in der Andacht plötzlich ruhig – nicht leer, sondern angenehm still, fast so, als hätte die Zeit beschlossen, für einen Moment langsamer zu vergehen.

Die Kirche ist ein Ort der Stille. Ein Raum, der nicht ablenkt, sondern einlädt. Hier kannst du dich zurückziehen, um zu beten, nachzudenken oder einfach einen Moment durchzuatmen. Du kannst allein bleiben, mit leisen Gedanken, die nur für Gott bestimmt sind, oder an einer öffentlichen Andacht teilnehmen. 
Ob flüsterndes Gebet oder gemeinsames Innehalten – die Andacht ist wie eine kleine Tür, durch die man kurz aus der Welt hinaustritt, um gestärkt wieder zurückzukehren.

Epitaphaltar, Ev. Kirche, Behlendorf

Jutta Petri

Kirchen sind Orte des Erinnerns, denn hier ist der Tod ganz nah. Er wird nicht ausgesperrt, sondern ist Teil des Lebens. 
Im Zentrum des christlichen Glaubens steht der Tod Jesu Christi und die Überwindung des Todes durch seine Auferstehung. Für Christen ist das Kreuz ein Symbol der Hoffnung auf das ewige Leben im Reich Gottes.

Getragen von dieser Hoffnung ließen sich in früheren Jahrhunderten wohlhabende Bürger in der Kirche bestatten und brachten zusätzlich eine Gedenktafel, ein Epitaph, an. So handelte auch die Witwe des Hofpächters Bernhard Brosius, der um 1635 verstarb. 
Um die Erinnerung an ihn möglichst lange wachzuhalten, wurden keine Kosten und Mühen gescheut: Ein prachtvoller Epitaph-Altar mit Skulpturen, Malerei und Ornamentik wurde in der Dorfkirche in Behlendorf angebracht. Auch wenn sich schon lange niemand mehr lebend an Brosius erinnert, bleibt er uns dennoch vor Augen.

Heiko Theel: Fischerkahn

Jutta Petri

Diese Epitaphien sind Überreste einer vergangenen Zeit, in der Kirchen für die Reichen und Mächtigen auch Orte der Repräsentation waren. Heute brauchen wir keinen Reichtum mehr, um uns an unsere Verstorbenen zu erinnern. Es reicht, wenn wir uns selbst mitbringen, unsere Gedanken, unsere Liebe und ein paar Cent für eine Kerze. Die Flammen leuchten für jede und jeden Einzelnen. Sie sind Zeichen des ewigen Lichts Gottes.

Komm doch am Ewigkeitssonntag (Sonntag vor dem 1. Advent) in den Gottesdienst. Dort denken wir gemeinsam an alle Toten.

Trauernde Maria, St.-Michaelis-Kirche, Hohenaspe

Jutta Petri

Wie bist du hier? Was bringst du mit? Kirchen sind Orte, an denen du alles ablegen kannst, was dich belastet, oder mitteilen kannst, was dich freut. Deine Freude und deine Trauer finden Raum in der Kirche – in ihrem Licht, ihrer Höhe und in jedem Winkel. Du kannst beides im Gebet vor Gott bringen oder einem Menschen anvertrauen, der dich hört und sieht.

"Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch" so heißt es im 1. Brief des Petrus, Kapitel 5, Vers 7.

Gläserne Orgel, Marienkirche, Rendsburg

Ulrike Taege

Kirchenmusik ist weit mehr als nur ein feierlicher Klang im Hintergrund – sie ist das Herz vieler Gottesdienste und ein echtes Erlebnis für die Sinne. Ob gewaltige Orgelklänge, die durch das Kirchenschiff donnern, oder ein zarter Chor, der Gänsehaut verursacht: Kirchenmusik schafft es, Menschen emotional zu berühren und miteinander zu verbinden.

Schon seit Jahrhunderten erzählt sie Geschichten von Hoffnung, Glauben und Gemeinschaft – und das oft ganz ohne Worte. Selbst wer nicht religiös ist, kann sich der besonderen Atmosphäre kaum entziehen. Kirchenmusik lädt dazu ein, kurz innezuhalten, durchzuatmen und den Alltag für einen Moment zu vergessen.

Und ganz ehrlich: Wer einmal live erlebt hat, wie die letzten Töne eines Orgelstücks in einer großen Kirche verklingen, weiß – das ist kein gewöhnliches Konzert, das ist pure Magie. Lust auf diese "Magie"? 
Viele Kirchengemeinden bieten Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen an, zum Beispiel die Marienkirche in Rendsburg. Hier erfährst du mehr über diese Kirche

Kultur- und Erlebniskirche Rendsburg

https://www.kirchengemeinde-rendsburg.de/kirchen/st-marien-kirche