St. Nicolai-Kirche, Blick über den Schulsee auf die Altstadt, Mölln

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Wie eingerahmt von einem Kranz Lindenbäume erhebt sich die St. Nicolai-Kirche sanft aus dem Kirchberg. Dieser markante Hügel liegt eingebettet zwischen den Möllner Seen – dem Stadtsee, dem Ziegelsee und dem Schulsee. Ob Sie mit der Bahn aus Ratzeburg anreisen, mit dem Auto oder dem Fahrrad unterwegs sind – immer eröffnet sich Ihnen ein bezaubernder Blick über die Wasserflächen, die historischen Altstadthäuser und hinauf zur Kirche.

Die St. Nicolai-Kirche gehört zu den ältesten und bedeutendsten Bauwerken im Herzogtum Lauenburg. Sie wurde erstmals Ende des 12. Jahrhunderts erwähnt und trägt eine Geschichte voller Wandel und lebendiger Vergangenheit in sich. Zahlreiche politische, gesellschaftliche, technische und religiöse Umbrüche prägten das kirchliche Leben der Stadt immer wieder aufs Neue. Besonders die Einführung der Reformation im Jahr 1531 stellte einen tiefgreifenden Einschnitt dar, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind.

Blick in den Kircheninnenraum nach Westen

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Betreten Besucherinnen und Besucher die Kirche zum ersten Mal, sind sie oft überrascht von der prächtigen Ausstattung des Innenraums. Schnell taucht die Frage auf: Handelt es sich bei St. Nicolai um eine katholische oder evangelische Kirche? So viele Bilder, dazu die Benennung nach einem Heiligen – dem heiligen Nikolaus. Das wirkt auf den ersten Blick eher ungewöhnlich für eine evangelische Kirche.

Die Trennung zwischen katholischer und evangelischer Konfession, also Glaubensrichtung, geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Jahrhunderte lang wurde sie von beiden Seiten mit großer Leidenschaft und bisweilen auch kriegerisch verteidigt. Heute jedoch spielt dieser Unterschied für gläubige Christen und auch für Nichtgläubige eine viel geringere Rolle. Viel wichtiger ist der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes.

Verkündigung an Maria, Marienleuchter, 1506

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In der Kirche sind bis heute Ausstattungsstücke aus der Zeit vor der Reformation erhalten. Ein Blick auf diese kunstvollen Werke eröffnet uns einen Einblick darin, welche konkreten Veränderungen die Reformation im kirchlichen Leben bewirkte. Eines dieser bedeutenden Kunstwerke ist der Marienleuchter.

Im späten Mittelalter waren Marienleuchter weit verbreitet und symbolisierten die tiefe Verehrung Marias. Häufig wird Maria als Himmelskönigin dargestellt, das Kind auf dem Arm, umgeben von einem goldenen Strahlenkranz. Die Reformatoren kritisierten jedoch den fast gottähnlichen Eindruck, den diese Marienfiguren vermittelten.
In jener Zeit wurden alle Marienbilder gewissermaßen auf den Prüfstand gestellt. Nur jene Darstellungen fanden Zuspruch, die die demütige Haltung des Gläubigen gegenüber Gott widerspiegelten.

Der Marienleuchter in Mölln zeigt eine Szene, die die Reformatoren als Verkündigung des Glaubens an den einzelnen Gläubigen verstanden: Der Engel Gabriel teilt Maria mit, dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird (Evangelium nach Lukas 1, 26-38). Maria, in dieser Deutung als Sinnbild des Gläubigen, stimmt der Verkündigung zu. So entsteht eine unmittelbare Beziehung zwischen dem Gläubigen und Gott – ganz im Sinne des reformatorischen Verständnisses.

Wenn Sie mehr über das dramatische Ereignis der Verkündigung erfahren möchten lese Sie hier weiter www.kunst-geschichte-kirche.de/vertiefen-von-anfang-an/

Lichterkrone aus Messing

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Jahrhundertelang waren Kerzen die einzige Lichtquelle in den Kirchen. Sie erfüllten den Innenraum nicht nur mit warmem, stimmungsvollem Licht, sondern trugen auch eine tiefgreifende symbolische Bedeutung. Jesus bezeichnet sich selbst als „das Licht der Welt“ (Evangelium nach Johannes 8,12).

In der Osternacht wird die große Osterkerze in der Kirche entzündet; sie schenkt ihr Licht an alle anderen Kerzen weiter. Diese Nacht steht ganz im Zeichen der Auferstehung Jesu. Kerzen hatten nicht nur aus diesem Grund einen hohen Wert. Hergestellt wurden sie aus Bienenwachs, das mühsam aus den Bienenwaben gewonnen und verarbeitet werden musste. Die Biene selbst galt als Symbol für Jesus Christus.

Im späten Mittelalter war der Marienleuchter eine der vielen Lichtquellen in der St. Nicolai-Kirche. Auf zahlreichen Altären und vor Heiligenfiguren brannten Kerzen. Mit dem Einzug der Reformation endete die Heiligenverehrung allmählich, und alle Nebenaltäre wurden entfernt. Der Brauch, Kerzen zu stiften, beschränkte sich fortan auf Lichterkronen und Wandleuchter, die den Kirchenraum erhellen sollten. Die Stiftung von Kerzen war streng geregelt und von großer Bedeutung, denn ohne dieses Licht „ging der Kirche das Licht aus“.

Darstellung der "Hoffung", eine christliche Tugend, im Hintergrund der Evangelist Markus

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Zusammen mit den Heiligenfiguren und den Nebenaltären verschwanden nach und nach auch die farbigen Glasmalereien aus den Kirchenfenstern. Der Kirchenraum wurde dadurch heller.
Bunt gestaltete Glasbilder mit Darstellungen verschiedener Heiliger waren nicht mehr gefragt. Der Mensch sollte eine direkte Verbindung zu Gott aufbauen können, ohne dass „Mittler“ oder Heilige dazwischenstanden. So sahen es die Reformatoren.

Bevorzugt wählte man nun helle, transparente Rautenverglasungen, durch die das Sonnenlicht ungehindert strömte. Diese Neuerung ist jedoch nicht allein auf die Reformation zurückzuführen, sondern verdankt sich vor allem auch der Kunst der Renaissance.

Die Glasmalereien im Altarraum der Nicolai-Kirche entstanden hingegen viel später. Sie wurden im Zuge der großen Renovierung von 1896 eingebaut und spiegeln das damalige Interesse an der Formsprache und den traditionellen Techniken des Mittelalters wider. Inhaltlich jedoch zeigen sie reformatorisches Gedankengut: Zu sehen sind die vier Evangelisten, jene Männer, deren Berichte vom Leben Jesu allein als Grundlage des Glaubens gelten.

Altar mit prachtvollen Altaraufsatz aus dem 18. Jahrhundert

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Kirchen waren stets auf die großzügigen Stiftungen der Bürger und städtischen Einwohner angewiesen. Finanzielle Zuwendungen und die Schenkung von Ausstattungsstücken erneuerten und bereicherten den Kirchenraum immer wieder aufs Neue.
Im Mittelalter stand bei diesen Stiftungen vor allem der Gedanke im Vordergrund, sich durch die Fürsprache der zahlreichen Heiligen bei Christus zu empfehlen und so die Aufnahme in den Himmel zu erlangen.

Auch nach der Einführung der Reformation ließ die Praxis der Stiftungen nicht nach. Wohlhabende Bürger bemühten sich mit hohem finanziellem Einsatz, ihre Kirche auszustatten – „zur Ehre Gottes und zur Zierde der Kirche“, wie es nun hieß. Häufig sind diese Stiftungen durch eine Inschrift dokumentiert, die verrät, wer gestiftet hat und wann. Auf diese Weise sicherten sich die Stifter das Andenken und die Erinnerung der Lebenden bis in alle Ewigkeit.

Und das funktioniert tatsächlich. Wer kennt heute noch Bürgermeister Andreas Kahl? Er stiftete nicht nur den prachtvollen Altaraufsatz und zeigte damit seine Gottesverehrung, sondern ließ dies auch durch eine gut lesbare Inschrift am Altar für alle Kirchenbesucher*innen sichtbar werden – ein sichtbares Vermächtnis für die Nachwelt.

 

Darstellung des Abendmahls in der Sockelzone des Altaraufsatzes mit aufgeschlagener Bibel davor

(c) Jutta Petri

Der große barocke Altaraufsatz folgt einem damals weit verbreiteten Aufbau: Er besteht aus einer Sockelzone, in der eine Darstellung des Abendmahles zu sehen ist. Sie befindet sich auf der Höhe der Altarplatte, direkt hinter der aufgeschlagenen Bibel.
Darüber erhebt sich das Hauptgeschoss. Es zeigt eine Bildtafel, flankiert von Säulen und zwei weiblichen Figuren. Sie stellen christliche Tugenden dar: Glaube (links) und Hoffnung (rechts). Sie sind an ihren Attributen zu erkennen: Der Glaube führt einen Kelch mit sich, die Hoffnung eine Taube und einen Anker.

Eigentlich gibt es drei christliche Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. So schrieb es der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth (1. Korinther 13). Die Darstellung der Liebe fehlt in Mölln. Sie befand einst in Gestalt der Kreuzigung Jesu im Mittelfeld des Altaraufsatzes. Sie wurden abgenommen und durch das Tafelbild mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes ersetzt (Lukas 15,11-32). 

Die Dreiteilung des Altaraufbaus in Sockelzone (Abendmahl), Hauptgeschoss (Kreuzigung), Bekrönung (Auferstehung, Himmelfahrt) folgt einer Empfehlung Martin Luthers. Seiner Lehre nach sollen in den Kirchen - wenn überhaupt - nur Bilder zu sehen sein, die die biblischen Ereignisse wiedergeben, bevorzugt aber die hier genannten und für den christlichen Glauben zentralen Ereignisse der Osterzeit.

Apostel Jacobus der Ältere, Holzskulptur vom Ende des 14. Jahrhunderts, bemalt

(c) Jutta Petri

Dieser beeindruckende Altaraufsatz dominiert heute den gesamten hinteren Chorraum, die Apsis, und zieht unweigerlich die Blicke der Besucher*innen auf sich. Doch er stand nicht immer an diesem Platz. Erst im Jahr 1739 wurde er gestiftet und von der Werkstatt des Lübecker Bildschnitzers Hieronymus J. Hassenberg geschnitzt sowie bemalt.

Damit er auf dem Altar seinen würdigen Platz einnehmen konnte, musste ein anderer Altaraufsatz weichen: Ein Flügelretabel, das um 1400 ebenfalls in einer Lübecker Werkstatt entstand. Von diesem einst prachtvollen Flügelretabel sind mehrere Figuren erhalten geblieben. Sie befinden sich heute in Privatbesitz, im Lübecker St. Annen-Museum und auch in Mölln.
Von dem gesamten Figurenensemble, das einst die Krönung beziehungsweise Segnung Mariens durch Christus und die zwölf Apostel darstellte, ist hier vor Ort nur die Figur des Apostels Jakobus erhalten geblieben. Sie strahlt noch immer so frisch, als hätte sie die Werkstatt vor über 600 Jahren gerade erst verlassen: mit einem fein gezeichneten, puppenhaft bemalten Gesicht, einem teilvergoldeten Pilgergewand und der Jakobsmuschel in der Hand.

Hier erfahren Sie mehr über die St. Nicolai-Kirche in Mölln und ihre Ausstattung
Was ist eine Krönung/Segnung Mariens? Hier erfahren Sie mehr.

Jesus Christus mit Heiligenschein, Detail aus dem Antependium

(C) Jutta Petri

Flügelretabel verloren im Verlauf des 16. Jahrhunderts an Bedeutung. Der neue evangelisch-lutherische Glaube benötigte keine Altaraufsätze mehr, deren klappbare Flügel Bilder vom Sohn Gottes und den Heiligen verbargen oder enthüllten. Das Wort Gottes und die Erlösung des Menschen durch Jesus Christus waren für die Kirchenbesucher*innen nun Tag für Tag sichtbar.

Auf aufwendige Vergoldungen wurde verzichtet. Stattdessen erzählten die Bilder in leuchtenden Farben die biblischen Geschichten rund um das Erlösungswerk Jesu. Er stand im Mittelpunkt des Glaubens und bildete den festen Bezugspunkt für die Menschen. „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich“, heißt es im Evangelium nach Johannes, Kapitel 14, Vers 6.
Maria und die Heiligen verschwanden zwar nicht vollständig von der Bildfläche, doch sie rückten immer weiter in den Hintergrund.

Der reiche Mann und der arme Lazarus, Detail des Antependiums (Datierung unklar)

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Es dauerte viele Jahre, bis der neue Glaube, das evangelisch-lutherische Bekenntnis, eine eigene Bildsprache entwickelt hatte. Zunächst stand die Reform des Gottesdienstes und der Feier der Sakramente, also Abendmahl und Taufe, im Mittelpunkt. Die Ausstattung und Ausschmückung der Kirchen mit Bildern trat erst später in den Vordergrund.

Der Reformator Martin Luther selbst war kein großer Freund von Bildern. Er akzeptierte diese im Kirchenraum nur unter bestimmten Bedingungen. Die Maler sollten ausschließlich das darstellen, was auch in den biblischen Schriften zu finden ist.
Für Luther waren Bilder nichts anderes als Illustrationen der Evangelien. Vor dem Altar der St.-Nicolai-Kirche befindet sich eine breite Bildtafel, auf der Szenen aus der Bibel abgebildet sind – ganz so, wie es Luther gefordert hatte. Im Zentrum sieht man das Abendmahl, links davon die Opferung Isaaks, und rechts eine Erzählung, die der Evangelist Lukas überliefert - die Erzählung vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lukas 16, 19-31).

Der Maler zeigt uns die Geschichte auf eindrückliche Weise: Ein reicher Mann, der zu Lebzeiten im Überfluss schwelgt, steht dem armen Lazarus gegenüber. Dieser ist von Geschwüren übersät, und ein Hund leckt an seiner Haut. Doch der Blick in die Zukunft verrät die Wahrheit: Den Reichen führt sein Leben in das Feuer der Hölle, während der arme Lazarus in den Himmel gelangt.
Ob wohl jemand diese Botschaft NICHT verstanden hat?

Allegorie des Glaubens, Altar der St. Nicolai-Kirche, Mölln

(c) Jutta Petri

Am Altar wird das Sakrament des Abendmahls gefeiert, eines der beiden Sakramente der evangelisch-lutherischen Kirche.
Ein Sakrament ist eine heilige Handlung, die das Verhältnis der christlichen Gemeinschaft zu Gott gestaltet. In diesem Sakrament erleben die Gläubigen die Gegenwart Gottes unmittelbar.
Hier erfahren Sie mehr über den christlichen Glauben und die Sakramente 

Im Abendmahl gedenkt man des Todes Jesu, der für die Erlösung der Menschheit gestorben ist. Die Bildwelt der Altäre ist geprägt von Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung Jesu und seiner Auferstehung. Sie fassen die Heilsgeschichte gewissermaßen in einer kompakten „Kurzform“ zusammen.

So war es auch einst in der St.-Nicolai-Kirche. Der barocke Altar zeigte im Mittelteil eine kunstvoll geschnitzte Kreuzigungsgruppe, während vermutlich oben auf dem Giebel eine Figur des auferstandenen Jesus Christus stand. Die Szene des Abendmahls befindet sich noch heute an ihrem angestammten Platz – in der Sockelzone des Altaraufsatzes, dort, wo sie hingehört.
Im Lauf der Zeit hat der Altar bereits einige bauliche Veränderungen über sich ergehen lassen müssen. Anders die Taufanlage mit ihrem mittelalterlichen Taufbecken, die sich unverändert erhalten hat.

Kopf einer Trägerfigur des Taufbeckens aus Bronze, 1509 gegossen.

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Die Taufanlage ist einzigartig! Sie stammt noch aus der vorreformatorischen Zeit und besteht aus folgenden Teilen:
- Das alte Taufbecken wurde laut Inschrift 1509 aus Bronze gegegossen. Es ist mit Heiligenfiguren und dem Möllner Stadtwappen geschmückt.
- Der praktische Taufdeckel, der das Taufwasser vor Verunreinigungen schützte. Er stammt ebenfalls aus dem beginnenden 16. Jahrhundert, wurde aber später neu bemalt.
- Das Taufgitter. Es stammt auch aus der Entstehungszeit des Taufbeckens und trennt das Taufbecken vom übrigen Kirchenraum ab.
Über die Taufanlage in Mölln erfahren Sie hier mehr: https://www.kunst-geschichte-kirche.de/im-blick-am-anfang-eine-lange-geschichte/

Die Anlage befindet sich in der Taufkapelle, die Ende des 15. Jahrhunderts im Zuge der Erweiterung des südlichen Seitenschiffs erbaut wurde. Das Besondere an der Taufanlage ist nicht nur ihre Vollständigkeit, sondern auch das Tafelbild, das an der Ostwand der Kapelle zu sehen ist.

Taufkapelle mit Taufbild im Hintergrund - eine der ersten Darstellungen einer evangelisch-lutherischen Taufe 

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Dieses Tafelbild gilt als die erste Darstellung einer evangelisch-lutherischen Taufe in Norddeutschland. Es wurde 1583 gestiftet, wie eine leider nur noch schwer lesbare Inschrift verrät. Welch ein eindrucksvolles Fenster in die Geschichte!

Das Bild besteht aus zwei Teilen. Auf der linken Seite ist eine Taufszene in der Möllner Kirche zu sehen, die wiederum in zwei Abschnitte gegliedert ist. Im linken Abschnitt führen die Taufpaten gemeinsam mit dem Pastor den Säugling zum Taufbecken. Sie stehen auf einem Podest, das in diesem Fall nicht durch ein Gitter vom Kirchenraum getrennt ist. Dies hat künstlerische Gründe, denn ein Gitter hätte die Bildkomposition gestört.
Direkt neben dieser Szene sind dieselben Personen erneut abgebildet. Sie lauschen den Taufworten des Pastors. Das Kind ist nun als Mitglied der Gemeinde aufgenommen. Die Taufpaten übernehmen die große Verantwortung, das Kind im Glauben an Gott und Jesus Christus zu erziehen und es in die christliche Gemeinschaft hineinzuführen.

Auf der rechten Seite zeigt das Bild die Darstellung des biblischen Ausspruchs „Lasset die Kinder zu mir kommen“. Diese Segnung der Kinder stellt in der Zeit der Reformation ein klares Bekenntnis zur Kindertaufe dar, wie sie die evangelisch-lutherische Kirche vertritt. Unter den verschiedenen reformatorischen Richtungen gab es nämlich auch Gruppierungen, die die Kindertaufe ablehnten und stattdessen eine Erwachsenentaufe befürworteten.

Detail des Bildes "Gesetz und Gnade", Epitaph von 1634, 1695 weitgehend überarbeitet

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Der Reformator Martin Luther pflegte einen recht pragmatischen Umgang mit Bildern. Bereits zuvor hatten wir davon gehört: Sie sollten reine Illustrationen biblischer Geschichten sein. Besonders die Evangelien, in denen das Leben Jesu Christi erzählt wird, sollten bildlich dargestellt werden. Auf diese Weise erfüllen Bilder auch einen religionspädagogischen Zweck, indem sie biblische Inhalte veranschaulichen und den Gläubigen näherbringen.

Neben den biblischen Erzählungen verbreiteten sich unter Luthers Einfluss auch sogenannte Lehrbilder. Bekannt wurde vor allem der Bildtypus „Gesetz und Gnade“, der Luthers Rechtfertigungslehre knapp und prägnant darstellt. Dieser Bildtypus wurde von Lucas Cranach entwickelt und fand weite Verbreitung in evangelisch-lutherischen Regionen. Ein spätes Beispiel dieses Bildtyps ist in der St.-Nicolai-Kirche in Mölln erhalten geblieben.

Detail aus "Gesetz und Gnade", 1634/1695

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Auf dem eindrucksvollen Gemälde, das sofort ins Auge fällt, sitzt im Vordergrund ein Mensch. Unter ihm liest man in einer Kartusche die Worte: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes?“ Diese Zeilen stammen aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 7. Bild und Text zeigen uns einen Menschen, der vor einer entscheidenden Wahl steht: Welcher Glaube kann ihn erlösen?

Links im Bild erkennt man Moses mit den Gesetzestafeln, flankiert von Darstellungen des Sündenfalls und der Erhöhung der ehernen Schlange. Rechts dagegen entfaltet sich die Szene der Kreuzigung Jesu und die dynamische Auferstehung, die Jesus kraftvoll aus dem Grab herausführt.

An beiden Seiten ist jeweils ein Skelett zu entdecken: Links steht es unmittelbar neben Adam und Eva, deren Ungehorsam nach biblischer Überlieferung Sünde und Tod in die Welt brachte. Rechts liegt ein weiteres Skelett vor dem Grab Jesu zusammengesunken. Der auferstandene Christus schreitet aus dem Sarkophag heraus und tritt das Skelett zu Boden.

Wer hätte diese klare Botschaft damals nicht verstanden? „Entscheide dich für den rechten – evangelischen – Glauben, und du wirst erlöst.“ Im 17. Jahrhundert gab es daran keine Zweifel. Religiöser Pluralismus? Individuelle Freiräume bei der Glaubenswahl? Das war nicht vorgesehen.

Das Bild wurde 1634 von Peter Brüggemann und Anna Spangenberg gestiftet und 1695 weitgehend überarbeitet

Alter Wandscharank mit einem Aquamanile aus Messing aus dem 15. Jahrhundert

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Auf der gegenüberliegenden Seite des monumentalen Gemäldes, ganz rechts an der Ecke von Süd- und Westwand, befindet sich ein großer, alter Wandschrank. Hinter seiner schweren Tür, beschlagen mit mächtigen Eisenbändern, werden Gebrauchsgegenstände aus vorreformatorischer Zeit aufbewahrt. Für uns Besucherinnen und Besucher sind sie während der Öffnungszeiten der Kirche sichtbar, geschützt durch ein eisenernes Steckgitter. Dieses erinnert an das Gitter der Taufanlage und ist vermutlich ebenso alt.

Die Gegenstände stammen aus einer sehr reichen mittelalterlichen Ausstattung von Gerätschaften, die für und während der Gottesdienste gebraucht wurden. Damals, im Mittelalter, als die Kirche noch nicht dem evangelisch-lutherischen Glauben angehörte, gab es im Kirchenraum nicht nur den einen Hauptaltar im Chor, den wir heute noch sehen, sondern deutlich mehr. Diese Seitenaltäre standen in den Seitenschiffen und an den Pfeilern. Sie gehörten verschiedenen religiösen Gemeinschaften, den Möllner Bruderschaften, sowie Berufsvereinigungen.

Für jeden dieser Altäre wurden unterschiedliche Gerätschaften benötigt, etwa das Weihrauchfass, das während der Messe geschwungen wurde. Weihrauch gilt als göttlicher Duft. Er signalisiert die Gegenwart Gottes und vertreibt das Böse. Auf welchem der Altäre das Armreliquiar stand, wissen wir nicht. Es enthielt einst Reliquien hochverehrter Heiliger und wurde an bestimmten Festtagen den Gläubigen gezeigt. Der Löwe ist ein Aquamanile, ein Gefäß, das mit Wasser gefüllt wurde und zum Reinigen der Hände vor den Gottesdiensten diente.

Auferstehung der Seelen und die Familie des Verstorbenen, Detail aus dem Epitaph für Hermann Schreiber und seine Frau Anna, 1630

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Der Eingang der St. Nicolai-Kirche liegt heute im Westen des Gebäudes unterhalb des mächtigen Westturms. Die Turmhalle ist deutlich dunkler als das übrige Kirchenschiff und birgt ebenfalls interessante Kunstwerke, vor allem das Epitaph für das Ehepaar Schreiber hat weit mehr als einen flüchtigen Blick im Vorbeigehen verdient.

Das Epitaph wurde im Jahr 1630 „gesetzt“ – so nennt man das Anbringen einer Gedenktafel im Kirchenraum. Darüber informiert eine Inschriftentafel unter dem großen Bild im Mittelfeld. Dort finden wir auch die Namen der Stifter, und wir erfahren, dass Hermann Schreiber das Epitaph „gott, dem Allmechtigen zu ehren ihm aber und seinen erben zur gedechtnis“ hat setzen lassen.
Inschriftentafeln, die Namen, Lebensdaten, Leistungen und Wahlsprüche der Verstorbenen enthalten, gehören im 16. und 17. Jahrhundert zur üblichen Ausstattung eines Epitaphs. Das Ziel der Stifter war es, die Verstorbenen als ehrbare, tugendhafte und fromme Menschen der Nachwelt lebendig zu erhalten.

Die Bildmotive der Epitaphien zeigen deutliche Ähnlichkeiten. Immer geht es um die Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tod – ein Thema, das auch die große Bildtafel „Gesetz und Gnade“ prägte, über die wir bereits gesprochen haben.
Für das Epitaph von Hermann Schreiber und seiner Frau wählte man das Motiv der Auferstehung der Seelen. Es ist anzunehmen, dass die Figur im Vordergrund ihn selbst darstellt. Doch nicht nur Hermann Schreiber allein soll in den Genuss von Gottes Gnade kommen, sondern seine ganze Familie, die wir unten abgebildet sehen.

Über Epitaphien erfahren Sie hier mehr https://www.kunst-geschichte-kirche.de/im-blick-denk-an-mich-behlendorf/

Kastengestühl der Stecknitzfahrer, 1576, Inschrift an der Südseite

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Bevor wir die Kirche verlassen, sollten wir unbedingt noch eine besondere Art von Ausstattungsstücken im Blick behalten, die im Kirchenraum für Struktur und Ordnung sorgten: das Gestühl.

Die Kirchenbänke der St.-Nicolai-Kirche sind vergleichsweise neu und für uns weniger interessant. Ganz anders verhält es sich mit den reich verzierten Kastengestühlen, die sich entlang der Wände des Seitenschiffs sowie im westlichen Teil des Kirchenraums befinden. Diese gehörten einst dem Bürgermeister von Mölln, wohlhabenden, angesehenen Familien und verschiedenen Berufsvereinigungen der Stadt.
Auf dem Foto sehen wir das Gestühl der Stecknitzfahrer. Dabei handelte es sich um die Vereinigung der Schiffer, die auf dem Stecknitzkanal zwischen Lübeck, Mölln und Lüneburg das sogenannte „weiße Gold“, das Salz, transportierten.

Solche Kastengestühle waren bereits im Mittelalter gebräuchlich. Sie boten ihren Besitzern nicht nur einen bequemen Sitzplatz, sondern auch eine gewisse Privatsphäre, denn hinter den hohen, reich verzierten Brüstungen blieben die sitzenden Personen weitgehend verborgen. Die übrigen Gottesdienstbesucher*innen mussten hingegen stehen oder sich mit Klappstühlen behelfen.

Mit der Reformation wurde der Wortgottesdienst, der oft lange Predigten umfasste, besonders wichtig. Konzentration über einen längeren Zeitraum fällt im Sitzen leichter. Deshalb erhielten nach und nach alle Kirchen Kirchenbänke, raumfüllendes Gestühl und Emporen. Wer es sich leisten konnte kaufte sich und seiner Familie Sitzplätze. Alte Kirchengestühle bildeten die soziale Hierarchie der Gemeinde ab.

Über den Stecknitzkanal, der Ende des 14. Jahrhunderts gebaut wurde und ein technische Sensation war, erfahren Sie mehr im Möllner Stadtmuseum, gleich neben der St. Nicolai-Kirche https://www.moelln-tourismus.de/poi/moellner-museum

Meeresungeheuer, Detail vom Gestühl der Stecknitzfahrer, 1576

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